Fachbibliothek des Juristischen Seminars

Die Fakultät in der Gottorfer Zeit und im dänischen Gesamtstaat (1665-1867)

 

Als erster Rechtslehrer wurde der aus Itzehoe stammende Erich Mauritius (1631-1691) (1) an die neu gegründete Kieler Juristenfakultät berufen. Er hatte  vorher als Juraprofessor in Heidelberg und Tübingen gewirkt, wo er sogar als Rektor der dortigen Universität amtiert hatte. Sowohl er als auch die meisten anderen seiner Kieler Fakultätskollegen aus der Anfangszeit wie Samuel Reyher (1635-1714) (4) und Samuel Rachel (1628-1691) (3) sind heute indessen weitgehend vergessen. Letzterer bekleidete immerhin die in Kiel nach Heidelberger Vorbild geschaffene zweite Professur für Natur- und Völkerrecht in Deutschland und gilt als Schöpfer des Fakultätssiegels (2).

Im 18. und 19. Jahrhundert wies die Kieler Rechtsfakultät mit Johann Karl Heinrich Dreyer (1721-1802) (5) und vor allem Niels Nikolaus Falck (1784-1850) (9+10) bedeutende Vertreter des einheimischen Rechts auf, das hier frühzeitiger als andernorts gelehrt wurde. Falck ist außerdem durch sein politisches Engagement in Schleswig-Holstein für die hiesige Landesgeschichte bedeutsam geworden und war als wichtiger Vertreter der historischen Rechtsschule germanistischer Prägung auch überregional bekannt. Kennzeichnend für die Fakultät in den ersten zweihundert Jahren ihres Bestehens war indessen eher die Tatsache, dass Kiel vielen bedeutenden Gelehrten vor allem als Sprungbrett ihrer Hochschullehrerkarriere diente. Dementsprechend weist die Fakultätsgeschichte dieser Epoche etliche klangvolle Namen auf, die jeweils am Anfang ihrer Professorenlaufbahn einige Jahre lang an der Christiana Albertina tätig waren, um dann aber Rufe an größere und renommiertere Universitäten anzunehmen. Prägnante Beispiele dafür sind der bedeutende Strafrechtstheoretiker Paul Johann Anselm von Feuerbach (1775-1833, in Kiel 1802-1804) sowie die Zivil- und Römischrechtler Anton Friedrich Justus Thibaut (1772-1840, Prof. in Kiel 1798-1802) und Rudolf von Ihering (1818-1892, in Kiel 1849-1852).

Während die Hauptwerke dieser drei Gelehrten immerhin teilweise bereits während ihrer Kieler Zeit entstanden (6-8, 11), wirkte ein anderer bedeutender Juraprofessor erst am Ende seiner Laufbahn lediglich noch für zwei Jahre in Kiel. Es handelt sich um Wilhelm Eduard Wilda (1800-1856), das erste Fakultätsmitglied jüdischer Konfession. Er hatte sein wissenschaftliches Hauptwerk „Das Strafrecht der Germanen“ bereits im Jahre 1842 vorgelegt (12)

.

 

                      Ausstellung Bild 6