Fachbibliothek des Juristischen Seminars

Kieler Fakultät und „Kieler Schule“ - die Zeit des Nationalsozialismus

 

Gerade weil die Kieler Juristenfakultät in der Spätzeit der Weimarer Republik etliche politisch betont liberale oder eher links eingestellte Gelehrte in ihren Reihen hatte und auch über mehrere jüdische Mitglieder verfügte, erregte sie nach dem Regimewechsel alsbald die besondere Aufmerksamkeit der neuen Machthaber. Diesen schien sie in besonderer Weise geeignet, als Pflanzstätte für eine Rechtserneuerung im nationalsozialistischen Sinne dienen zu können.

Politisch oder aus anderen Gründen missliebige Professoren wie etwa von Hentig oder Kantorowicz wurden deshalb alsbald zwangsversetzt oder entlassen bzw. gezielt in die Emigration getrieben. Auf diese Weise kam es zu einer relativ schnellen Neubesetzung der meisten juristischen Lehrstühle an der Christiana Albertina mit jungen, der nationalsozialistischen Ideologie aufgeschlossen gegenüberstehenden Rechtslehrern. Diese bildeten in der Folge die später sogenannte „Kieler Schule“.  All dies geschah im wesentlichen unter der Ägide des zuständigen Mitarbeiters im Berliner Kultusministerium, dem Rechtshistoriker Karl August Eckhardt (1901-1979). Dieser war von 1928 bis 1930 sowie 1933/34 kurzzeitig selbst Professor in Kiel gewesen und hatte während dieser Zeit unter anderem eine Studienreform im nationalsozialistischen Sinne propagiert (31). Die wichtigsten Vertreter der Kieler Schule waren der Rechtsphilosoph und Zivilrechtler Karl Larenz (1903-1993), die Zivilrechtler Wolfgang Siebert (1903-1959) und Karl Michaelis (1900-2001), die Strafrechtler Georg Dahm (1904-1963) und sowie der Öffentlichrechtler Ernst Rudolf Huber (1903-1990). Sie verfassten im Jahre 1935 gemeinsam die Programmschrift der Kieler Schule („Grundfragen der neuen Rechtswissenschaft“) (33), in der Folge aber auch eine Reihe von Einzelpublikationen in ihren jeweiligen Rechtsgebieten (34-38, 40-42). Das Gesamtprojekt der Kieler Schule scheiterte allerdings in letzter Konsequenz, denn die meisten ihrer Mitglieder  mit Ausnahme von Karl Larenz kehrten der Förde nach nur wenigen Jahren wieder den Rücken. Trotzdem blieb die Juristische Fakultät der Christiana Albertina bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges im wesentlichen ein Hort nationalsozialistischer Rechtslehre und -ideologie. Selbst in dieser Zeit wirkten in Kiel allerdings auch einzelne Hochschullehrer, die nicht prononciert regimefreundlich oder sogar eher regimekritisch eingestellt waren wie Arthur Nikisch (1888-1968, Prof. in Kiel 1938-1940) oder Eugen Wohlhaupter (1900-1946, Prof. in Kiel ab 1940).